Sonntag, 1. Juni 2014

Rezension: Kirsten Boie: Schwarze Lügen


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Kirsten Boies neues Buch "Schwarze Lügen" ist ein packender Kriminalroman für Jugendliche. Der Leser lernt gleich auf den ersten Seiten verschiedene Figuren kennen, die alle – egal ob aktiv oder nur versehentlich -  mit einem Bankraub zu tun haben. Zwischen ihnen erfolgen spannende Interaktionen und auch die Polizei sucht nach dem Täter. Aber eigentlich geht es in dieser Geschichte um viel mehr als die pure Aufklärung des Kriminalfalls.
Die Protagonisten sind die musikalische und verblüffend analytisch denkende 15-jährige Melody, ihr intelligenter und fleißiger Bruder Amadeus, der gerade das Abitur macht und sich als Nachhilfelehrer was dazu verdient sowie deren kleine, 4-jährige, aufgeweckte Schwester Soppy („Soprano“). Sie haben einschließlich ihrer Mutter einen schwarzafrikanischen Hintergrund und leben in einer norddeutschen Kleinstadt. Die Familie ist arm und wohnt in einem Hochhaus, dessen Treppenhaus immer unangenehm stinkt. Da der Vater der 3 Kinder gestorben ist , sah sich die Mutter gezwungen, einen Deutschen zu heiraten, weil Melly und Amadeus so gern da bleiben und weiter ihr Gymnasium besuchen wollten. Und das Geld einer Putzfrau reicht nicht, um 3 Kinder durchzubringen. Der Stiefvater wird von den Kindern „der Arsch“ genannt, denn er ist Alkoholiker, gewalttätig und arbeitslos. Das bisschen Kindergeld für Soppy verbraucht er fürs Saufen, so dass die Kleine nicht mal in den Kindergarten gehen darf. Trotz der schlechten Rahmenbedingungen legt die Mutter Wert auf die Bildung ihrer Kinder, die ein Gymnsium in einem besseren Stadtteil besuchen und sich sehr gut mit klassischer Musik auskennen.
Melody spielt im Schulorchester Klarinette und soll am Konzertabend ein Solo vortragen. Kurz davor zerbricht „der Arsch“ im Suff ihre Klarinette. Melly reißt von zu Hause aus. Voller Sorgen gehen Mutter und Amadeus am späten Abend zur Polizei, um Melly als vermisst zu melden. Voller Vorurteile (auch wegen der schwarzen Hautfarbe) beschuldigt der Polizeibeamte Amadeus, die Bank überfallen zu haben und nimmt ihn in Untersuchungshaft.
Im krassen Gegensatz dazu wird beispielsweise Lukas, ein Mit- und Nachhilfeschüler von Amadeus beschrieben: aus reichem Elternhaus, in einem noblen Stadtteil lebend, Hauspersonal usw. Aber Geld alleine macht nicht glücklich. Lukas Eltern haben keine Zeit für ihn und so nimmt er Drogen und verstrickt sich in Schulden bei seinen Dealern.
Auch der alte Kai Hinrich Sönnichsen, in dessen wunderbares Haus in einem Ferienort an der Ostsee sich Melly verirrt, stellt ein krasses Gegenteil zu Melodys Familie dar. Sein vieles Geld konnte nicht verhindern, dass er blind wurde und auch nicht, dass er ein sehr schlechtes Verhältnis zu seiner Tochter und seiner Enkelin Linda hat. Doch er kann sich den Alltag insofern angenehm machen, als das er es sich leisten kann, eine Haushälterin und einen Gärtner anzustellen.
Durch die genaue Schilderung sozialer Gegensätze, aber auch durch die sorgfältig skizzierten Charaktere regt die Geschichte den Leser an, über den Umgang mit Fremden, über Vorurteile und gesellschaftliche Chancenungleichheit nachzudenken. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, damit euch das Buch genau so in den Bann zieht wie mich. Am schönsten fand ich den Moment, als Melody dem blinden Kai Hinrich Sönnichsen sein Abendbrot bringt. Er denkt, sie wäre seine Enkeltochter. Gemeinsam spielen sie (Klarinette + Klavier) eine Mendelssohn Sonate. Durch seine Blindheit hat Melly die Chance, ihn mit ihrer Wärme und Musikalität zu überzeugen und macht ihn dabei sehr glücklich.



Ich gebe dem Buch diese Bewertung in Schulnoten: 1( sehr gut ) 

Deutscher Titel: Schwarze Lügen
Verlag: Oetinger
Seitenzahl: 416
ISBN-13: 978-3789120152
 Preis: 17,95€


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